Eindrücke vom Drupal Mountain Camp 2019

Submitted by Peter Majmesku on Sun, 03/10/2019 - 20:52

Nach zwei Jahren fand wieder das Drupal Mountain Camp in Davos, Schweiz, statt. Für mich war es das erste Mal, dass ich dort war. Und es hatte sich gelohnt. Bereits der Weg dorthin was besonders. Vom Flughafen in Düsseldorf gelangte ich ganz unkompliziert nach Zürich und von dort aus ging es mit dem Zug weiter nach Davos. Die Aussicht aus dem Zug war einfach nur traumhaft. Nach etwa zwei Stunden war ich auf etwa 1500 Metern über dem Meeresspiegel in Davos angelangt. Am nächsten Tag ging es los zum Kongresszentrum, welches von meinem gemütlichen Hotel, dem Bündnerhof, nicht weit entfernt lag und fußläufig erreichbar war.

Barrierefrei von Anfang bis Ende

Um kurz vor 9 Uhr waren noch nicht viele da, allerdings ein paar bekannte Gesichter. Es dauerte nicht lang, da ging auch schon die Session los, welche das Onboarding von Leuten übernahm, die bisher noch an keinem Drupal Contribution Sprint teilgenommen hatten. Neben der Code Contribution wurde deutlich gemacht, dass auch Issue Reviews, Dokumentation, Marketing, die Teilnahme an div. Initiativen und Anderes gleichwertig wertvoll für die Drupal Community ist. Sicherlich waren die vielen Tipps für Newcomer in der Contribution-Szene interessant, doch das Beste war: die Session wurde in Zeichensprache übersetzt! Da Drupal gerade bei öffentlichen Institutionen verbreitet ist, war diese Art der Kommunikation perfekt. Später erfuhr ich, dass die Übersetzung in Zeichensprache auch bei der Drupal Gov Con in Washington durchgeführt wird.

Bereits am ersten Tag gab es einen Workshop. Tobias Zimmermann führte uns mit seiner Workshop Session "Level-up your Drupal application with custom entities" die vielfältigen Möglichkeiten der Drupal Entities vor Augen. So konnten wir schnell Erfolgserlebnisse sammeln. Daneben hat Tobias eine ausführliche Dokumentation zum Nachlesen verfasst: Drupal Entity Type Walkthrough. Einen Überblick betreffend aller stattgefundenen Sessions erhält man unter folgender Url: https://drupalmountaincamp.ch/schedule.

Gelegenheit zur Mitarbeit am Drupal Core

Die Drupal Camps und Cons bieten natürlich viele Sessions an, die gute Inhalte und Inspiration vermitteln. Vieles davon kann man sich auch später auf YouTube ansehen. Was jedoch nicht per YouTube möglich ist, ist die unmittelbare Interaktion mit anderen Drupal Interessenten sowie der Austausch zu aktuellen Themen. Dies wird bei den Coding Sprints besonders gut gelebt. So konnte ich mich beim Drupal Core Sprint beteiligen und erhielt von Sascha Grossenbacher schnell und eingängig Hilfe, wenn ich irgendwo ins Stocken gelangte. Wobei es von ihm zuerst einen tollen Vortag zum Thema "Preparing for Drupal 9" gab. Dort zeigte er auf, dass es zwar bei Drupal 9 keine neuen Features geben wird, jene das Upgrade von Drupal 8 erschweren, allerdings viele Deprecations (veralteter Code) entfernt werden. Bis zum Erscheinen von Drupal 9 werden deshalb Hinweismeldungen implementiert, die einem Entwickler veralteten Code aufzeigen und somit eine Art Checkliste zum Abarbeiten von Deprecations bereitstellen. Das Entfernen von Deprecations ist mit den Meldungen einfach. Denn sie zeigen auch die aktuelle Funktion, die nun verwendet werden soll. Meist eine objektorientierte Methode, die gut testbar ist. Man muss es nur machen und wenn man viel in altem Stil programmiert hat, so kann dies gerne eine Weile dauern.

Eine der wichtigsten Initiativen ist derzeit diejenige, welche sich mit dem Neustylen des Admin Backends beschäftigt. So war es besonders toll, Sascha Eggenberger und Cristina Chumillas persönlich zu treffen und sich über den Stand und Ablauf zu informieren. Es wird ein neues Drupal Theme mit dem Namen Claro geben. Der Plan ist, dass dieses künftig das altbewährte Seven Theme ablöst. Die Designs werden professionell erarbeitet, was unter folgendem Link im Figma Tool deutlich wird: https://www.figma.com/file/OqWgzAluHtsOd5uwm1lubFeH/Drupal-Design-syste…. Es machte Spaß ein paar Patches für das Drupal Admin UI zu re-viewen. Zunächst verläuft sowas zwar holprig, doch nachdem die Stolpersteine wie Stufen aus dem Weg gebracht sind, bietet sich Anteil an einem Projekt, jenes weltweit gelebt wird.

Gute Gespräche

Um die Sessions und Coding Sprints herum, gab es gerade beim Mittagessen etliche Möglichkeiten für gute Gespräche. So konnte ich beispielsweise die Jungs von Thunder kennen lernen und von ihnen erfahren, dass sie ähnliche Probleme haben wie wir. So können auch sie nicht immer die Status der auf ihrer Distribution basierenden Drupal Websites hervorsehen. Das Produktteam befindet sich bei ihnen in einem anderen Standort als die Projektteams. Wir arbeiten bei publicplan an einem einzigen Standort und so fand ich es spannend, dass die Zusammenarbeit auch über verteilte Standorte gut funktionieren kann.

Stefan Auditor erzählte mir von seinem Engagement für die Drupal Europe und was die Ziele von Drupal e.V. sind. Im Besonderen liegen diese nämlich bei der Unterstützung von Drupal Veranstaltungen wie einem Drupal Camp. Sodass man nicht als Veranstalter das Risiko für die Veranstaltung tragen muss, sondern der Verein. Zudem hat der Drupal e.V. eine beratende Funktion, die sicherlich nützlich ist. Gerade im Hinblick auf den Erfahrungsschatz, der durch das Veranstalten der Drupal Europe gegeben ist.

JavaScript Frontends durften nicht fehlen

Zu den Hipster-Hype Themen gehören in den letzten Jahren in der Webentwickler Szene die diversen JavaScript Frontend Technologien. Das durfte natürlich auch auf dem Drupal Mountain Camp nicht fehlen. So gab es die Session "Optimize your JavaScript" von Saša Nikolić, wo er verschiedene Möglichkeiten aufzeigte, um JavaScript z.B. mittels Brotli zu optimieren und Frontends mit Performance Budgets zu planen. Neben der reinen Frontalveranstaltung, gab es da noch einen Workshop, wo wir gemeinsam eine kleine GatsbyJS Webseite erstellt haben. Er hat gezeigt, dass GatsbyJS ein Buildtool ist, dass verschiedene Abhängigkeiten aus dem ReactJS Ecosystem mitbringt, um damit Headless Websites zu erstellen. So kann man mit GatsbyJS alle Drupal Seiten im JSON Format abrufen und daraus Webseiten generieren. Die Webseiten laden dann über einen in JavaScript entwickelten Router, sodass ein Seitenwechsel nicht immer einen kompletten Re-Paint der Webseite zur Folge hat.

 

Drupal Distributionen: You'll never walk alone

Bei meiner eigenen Session ging es um das Betreiben von Drupal Distributionen. Es war mir eine besondere Freude den Vortrag abzuhalten, da ich tagtäglich mit diesem Thema bei der Arbeit an deGov zutun habe und so die Möglichkeit hatte, mich der Community betreffend meiner Tätigkeit mitzuteilen. Besonders schön war, dass mein Vortrag in Zeichensprache übersetzt wurde. Die Zuhörerschaft bestand aus etwa 10 Personen, bei denen auch Sascha Grossenbacher anwesend war, jener ein sehr aktiver Drupal Core Contributor ist. Er hat wohl ähnliche Probleme mit der Handhabe von Drupal Übersetzungen aus der Community, was mich beruhigte, da bestimmt viele Andere vor den gleichen Herausforderungen stehen und wir uns somit austauschen können.

Phantastisches Feierabendprogramm in Davos

Neben dem fachlichen Programm, hatten sich die Veranstalter ein gemeinsames Freizeitprogramm überlegt. Abends gab es Feierabendbier, ein Fondueessen auf dem Berg, ein Eishockeyspiel und Skifahren. Die vielfältigen Möglichkeiten von Davos wurden glänzend ausgenutzt. Das Eishockeyspiel bot sich wunderbar an, da das Eishockeystation direkt neben dem Kongressgebäude liegt. Davos hatte leider verloren, doch war das Spiel ein toller Abendausklang. Auch wenn ich als Neu-Düsseldorfer mit der DEG von Eishockey auf Top-Niveau verwöhnt bin. Eindrucksvoll war die Eishockeyhalle weiterhin, weil sie zu einem Großteil aus Holz besteht und perfekt zum Alpenflair passt.

Mein persönliches Highlight war das Skifahren auf dem Jakobshorn. Die Pisten waren sehr gut präpariert und alle Schwierigkeitsstufen wurden etwa alle 10 Meter mit Schildern ausgezeichnet. Das fehlte mir zuletzt im österreicher Zillertal, wo es schnell passieren konnte, versehentlich von einer blauen in eine rote Piste zu wechseln. Weiterhin waren die Pisten selbst ins Tal nicht sehr steil und man konnte dort wunderbar fahren, ohne als mittelmäßiger Skifahrer immer wieder viel Kraft zu brauchen. Gerne hätte ich in Davos noch mehrere Tage verbracht, doch hatte es mir auf der anderen Seite mein Geldbeutel gedankt, da Bewirtung in Davos etwa doppelt bis dreifach so teuer ist wie in Düsseldorf.

Gerne werde ich auch beim nächsten Drupal Mountain Camp mit dabei sein. Die Veranstalter haben einen tollen Job gemacht und es war für alle Interessenslagen etwas geboten. Ich hoffe, dass die schweizer Drupal Community auch nächstes Jahr die Motivation und Mittel haben wird, um dieses tolle Event erneut zu veranstalten.

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